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ABSINTH - Trinkrituale
Das "Schweizer Ritual":
"Französische Ritual":
Das "Tschechische Ritual":
Das "Cordon- und Reservoirglas":
Das "Brouille Set":
"Das TABU-Ritual":
Longdrink- und Cocktailrezepten
Neben den unzähligen verschiedenen Longdrink- und Cocktailrezepten wurde Absinth in früherer Zeit hauptsächlich wegen seiner Bitterkeit gezuckert und mit Wasser verdünnt, wobei sich die charakteristische schöne Trübung (Louche-Effekt, siehe Viedeo) ergab. Hier gab und gibt es sehr schöne Arten, diesen Vorgang zu zelebrieren, was wir auf den Folgeseiten einmal zeigen und wieder aufleben lassen möchten:
Bei kaum einem anderen alkoholischen Getränk haben sich derart viele unterschiedliche Trinkrituale entwickelt wie beim Absinthe. Einige traditionelle Formen haben sich bis in die heutige Zeit gerettet und sich dabei auch weiter verändert, andere neue sind dazu gekommen. Was Absinthe zum Kultgetränk stilisiert, ist neben seinen besonderen Inhaltsstoffen vor allem die Art und Weise, wie er getrunken wird.
Rituale haben einen sozialen Charakter und sind ein Instrument, dem Missbrauch vorzubeugen. Das Alleine-Trinken ist beim Absinthe eher unüblich. Man möchte sich dabei gerne mit jemandem unterhalten und geniesst dadurch eine wichtige soziale Komponente. Der Vorgang bedingt auch Zeit und Muße. Schon das Beobachten des Wassers, wie es langsam aus der Fontaine auf den Zucker tropft, wie sich der Zucker auflöst und sich anschliessend das Wasser mit dem Absinthe verbindet - das ist Alchemie im wahrsten Sinne des Wortes! Denn einen wahren und echten Absinthe -Trinker erkennt man daran, dass er sich für diese Zeremonie Zeit nimmt und die richtige Mischung aus Wasser und Absinthe erzielt, ohne dass sein Gemisch zu wässrig wird.
Die Temperatur muss ebenfalls stimmen: Der Absinthe selbst hat meistens Zimmertemperatur. Somit muss das Wasser in der Fontaine oder Karaffe mit Eiswürfeln so gekühlt werden, dass der fertige Absinthe im Glas rund 10 -14°C hat. Auf keinen Fall sollten die Eiswürfel direkt mit dem Absinthe in Berührung kommen, da sich die wertvollen ätherischen Öle daran binden und der Geschmack dadurch leiden würde. Oder wie es Pierre-Andre Delachaux be-schreibt: «Sein ,Puree' richtig hinzukriegen, das war der Beweis dafür, dass man zu leben verstand, dass man würdig war, in das Pantheon der echten Trinker einzugehen, der echte Kenner, der Vollblut-Epikureer» (delachaux 2003).
Nicht nur das Wort «Ritual» ist im Zusammenhang mit Absinthe-Trinken etwas Spezielles, es wird auch immer wieder von der «richtigen Dosis» gesprochen - was normalerweise eher bei der Verwendung von Drogen geschieht (Bröckers et al 2006).
"Die Grüne Stunde"
Die Günme Stunde entwickelte sich während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Pariser Strassencafes zu einem eigentlichen gesellschaftlichen Ritual. Der Duft des Absinthe verbreitete sich in den Strassen, die zu diesen Stunden belebter als sonst waren. Zwischen 17 und 19 Uhr trafen sich Männer und Frauen aus allen Gesellschaftsschichten, um sich zu unterhalten. Künstler stellten ihre Prosa und ihre Bilder vor und tauschten ihre Werke mit Mäzenen oft nur gegen eine Mahlzeit oder ein paar Gläser Absinthe. «L'Heure Verte» hatte eine starke soziale Komponente. In den besseren Kreisen war es nicht gern gesehen ausserhalb dieser Stunden dem Absinthe zu fronen, und man trank auch nur mehr als ein bis zwei Gläser zu dieser Zeit. Um nicht in einen schlechten Ruf zu geraten, zog man andernfalls von Cafe zu Cafe (werner 2002).